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Miniaturen

 

MINIATUREN

Kaum ein Betrachter kann sich der Faszination entziehen, die der Künstler Giam (Piercarlo Giampieri) mit seinen kleinen Kunstwerken erzeugt. Alles ist nur wenige Millimeter, maximal Zentimeter, groß und federleicht, jedes Teil ist ein Unikat und "teuer" als Gold und echte Diamanten.

Wenige wissen überhaupt, wie das alles angefangen hat.

Vor etwa ca. 25 Jahren schenkte Giam einem Bekannten von Freunden, von dem er nur wusste, dass er alte Kaufmannsläden, Puppenhäuser und Puppenküche sammelt, eine wundervolle alte Miniatur eines Eierschranks für seine Sammlung. Das altertümliche Teil hatte er zufällig auf einem Flohmarktbesuch in Nieder-Bayern entdeckt. Es eignete sich perfekt als Mitbringsel zu der Einladung.

Ältere Personen werden schon wissen, um was es sich dabei handelt. Für die Unwissenden und insbesondere jüngeren unter uns, aufgewachsen in der moderne Zeit der Technik und Kühlschränke sei erklärt, dass damals die Eier in kleinen Schränken aus dünnen Holzstäben lagerten. Diese waren mit mehreren flachen Ablagen mit eingelassenen Löchern ausgestattet, in die man die Eier zur Aufbewahrung einlassen konnte. Diese Schränkchen wurden oft am Abend draußen in der kalten Nacht aufgehängt. In Ermangelung von Elektrizität waren das halt die damaligen Konservierungsmethoden. Manche hatten zusätzlich an den Innenwänden auch eine dünnes Metallgitter, damit Vogel und andere Nachttiere nicht daran knabbern konnten.

Also damals schenkte Herr Giampieri dieses etwa 6x4 Zentimeter große Miniaturschränkchen aus der Jahrhundertwende besagter Person, die voller Freude und Aufregung anfing, ihn richtig sanft und taktvoll zu fassen, erfassen und betasten. Leich und sanft glitten seine Finger über die formen, nicht seine Augen sprühten vor Wohlwollen und Zufriedenheit, nein sein ganzes Wesen tat es. Genau wie Giam damals sollen auch sie jetzt überraschende weise erfahren, dass der Beschenkte ein Blinder war. Unser Künstler Giam betrachte ihn, wie er sich richtig freute, so ein schönes Geschenk zu bekommen. Für ihn als Künstler, der alles sieht und der auf jeden Hauch von Farbnuancen achten muss und will, war es etwas Überwältigendes, ihn so dabei betrachten zu müssen. Der Blinde konnte die Schönheit dieses alten wertvollen Gegenstandes doch nur ertasten, alles spielte sich nur in seiner Imagination und Vorstellungskraft ab, Überlegte er. Und dabei schien er auch sehr zufrieden und dankbar damit und dafür. Für einen Artisten der bildenden Kunst war es im ersten Moment sehr schwer, sich das vorzustellen. Wir Sehenden haben es dabei viel leichter, aber das heißt nicht, dass wir das, was wir sehen können und dürfen, besser verstehen und in uns aufnehmen können als der Blinde. Er war fasziniert und gleichzeitig traurig über dieses Erlebnis, teilte er mir mit.

Herr Giam gab sich bei der Übergabe viel Zeit und Mühe, dem Blinden alles bildlich zu beschreiben und wies hin auf das schöne alte Holz, die vielen kleinen Holzstäbe, die dünnen gelochten Ablagen, das kleine Türchen mit seinem winzigen Schließmechanismus aus Holz, das Metallgitterchen im Inneren. Der Künstler merkte und spürte dabei, dass der Blinde, auch ohne es zu sehen, trotzdem alles sehr bildlich und als wahrhaft wahrnahm. Unvorstellbar, aber gleichzeitig möglich und reell erschien ihm das ganze. Es war mal wieder Giam, der mit seiner ausgeprägten Redlichkeit und Fantasie sein Bedauern äußerte, dass leider noch einige Eier fehlten, um das Ganze perfekt zu machen.

Innerhalb eines Bruchteils von Sekunden übermannte ihm ein Gefühl der Leere, Stille, Besinnung. Es folgte die Überlegung, warum nicht, warum nicht? Ich könnte doch selber für den Blinden ein paar winzige Eier basteln und selber mit eigenen Willen und Tatkraft alles zu einer vollkommenen Einheit zusammenfügen. Gerade diese Umstände zwangen den Künstler, alles noch besser und schöner machen zu wollen als für Sehende. Ein Gefühl des Stolze übermannte ihn bei diesem Einfall. Giam versprach dem Blinden ohne viel zu überlegen, dass er ihm in der nächste Wochen ein paar passende Eier besorgen würde.

Sie müssen wissen, dass Piercarlo Giampieri ein Künstler ist, der schon seit seiner Kindheit malt und schöpferisch arbeitet. Der Italiener aus Mailand interessiert sich für Aquarelle, Ölbilder, Skulpturen und Kleinplastiken, hat auch schon vor 20 Jahren Cartoons für renommierte Zeitungen gezeichnet und in seinem künstlerischen Leben stets das getan, was ihm gerade Spaß macht. Seit Jahren malte er in seine Funktion als Vater oft an kalten Winterabenden zusammen mit seinem damals vier-/fünfjährigen Sohn Michel, kam dann aber auf die Idee, sich mit dem Kleinen auch anderweitig künstlerisch zu betätigen, mit der Knetmasse seines Kindes zu arbeiten. Die beiden arbeiteten und spielten zusammen, fertigten Autos und Flugzeuge, Obst und Gemüse, Torten und Würste und vieles mehr. Danach spielten und modellierten sie aus Gips Fische, Tiere, menschliche Gestalten, Würfel, Drachen,Bäume, Häuser, Flösse und alles mögliche bastelten sie miteinander. Eine Aufgabe und Idee setzte sich im Kopf des Künstlers fest, bis zu jener Begegnung mit dem blinden Mann.

Na ja, aber jetzt fingen die Anforderungen erst richtig an. Er konnte und wollte doch nicht etwas künstlerisch, auch wenn so winzig und unscheinbar wie ein paar Miniatur-Eier, doch nicht aus profane Knete, geistlose Gips oder gewöhnliche Fimo basteln. Nein, seine Ansprüche an die Kunst und an sich selbst erforderten etwas Besonderes, eine eigenes erfundenes und erdachtes Material. Es dauerte circa 10 Tage, dann hatte er 4 Eier fertig.

Sie waren winzig klein, ca. 5 mm hoch, wunderschön modelliert, ausgewogen in ihren Rundungen, und dann fein angemalt wie damals, nicht so steril sauber wie heute. Ein paar Fleckchen Dreck waren, wie zu der Zeit üblich, zugefügt worden. Auch ein paar echte winzige Hühnerfedern klebte er noch dran. Die paar Eier waren genau so schön und minuziös verarbeitet wie der Schöpfer besagten Schänkchens sie vor 100 Jahren sicher bearbeitet und geschnitzt hätte. Auch die Übergabe dieser Eier gestalte sich genau so expressiv sinnlich und emotional wie die des Schränkchens.

Hier könnte eigentlich diese einzigartige Geschichte sein schönes Ende finden, aber es sollte sich ganz anders gestalteten und eine unendliche Fortsetzung erfahren und finden.

Der Blinde bat ihn nämlich, einige Wochen später sehr vorsichtig und schüchtern, eine Salami für eine uralte miniatur Metzgerei zu modellieren, die er seit langer Zeit besaß, die aber so gut wie ohne Ware dasteht und somit ein sehr, sehr, tristes "unausgefülltes" Dasein fristen musste. Denn nirgendwo seien so kleine passende Würste und Fleischwaren im Miniformat zu finden, verriet der Blinde dem Künstler.

Die beiden sprachen sich aus und wurden sich einig. Giam legte sich besonders ins Zeug, um dem blinden Herrn die komplette alte Mini-Metzgerei nach und nach auszustatten. Von der Blut- bis zur Zervelatwurst, vom Schinken bis zum Leberkäse, vom Kotelett bis zu ganzen Fleischstücken habe ich ihm alles gemacht, berichtet der Künstler stolz. Zumal diese Arbeit für ihn eine besondere Herausforderung darstellte, da sein Auftraggeber die Miniaturen leider nicht sehen sonder nur ertasten konnte.

Es mag sehr verwunderlich scheinen, aber gerade die Tatsache der Blindheit trieb und drängte ihn, noch genauer und präziser zu arbeiten, ohne Rücksicht auf Aufwand und Komplexität. Eine prinzipielle geistige Ehrensache wurde das ganze in Laufe der Zeit. Es wurden immer mehr, immer ausgefallenere und minuziös verarbeitete kleine Kunstwerke.

Wie soll eigentlich ein Blinder unterscheiden, ob auf einer winzigen Salamischeibe von 3 Quadratmillimetern 20 oder 300 winzig kleine Fettgrieben angemalt sind, werden sie sich fragen. Für Giam nicht, er dachte überhaupt nicht in diese Richtung, ihm ging es einzig und allein um die Tatsache, zu wissen, dass der Blinde eine beschriebene Scheibe Salami mit Hunderten vorhandenen Fettgrieben genau so gut spüren kann wie wir mit unsere Augen sehen können. Alles spielt sich dabei auf einer für ihn besonders imaginären Ebene ab, die viele leider nicht wahrnehmen können, aber die ein guter Künstler wie Giam auch durchaus betreten und auf der er sich bewegen kann.

Inzwischen hat der Künstler diese kleinen Objekte in sein künstlerisches Werk aufgenommen und arbeitet regelmäßig daran. Ganze Metzgereien, Konditoreien, Bäckereien, Kompositionen und Bilder sind entstanden, und viele andere noch. Angesichts des Aufwandes bis zur Fertigstellung jedes Einzelteils ist es allein die unermessliche Kraft der künstlerischen Wertigkeit, die es ihm ermöglicht, mit solchem Aufwand diese Arbeiten so minuziös zu vollbringen.

Bis zum fertigen Objekt vergeht nämlich sehr viel Zeit, die der Künstler nur deshalb hat, weil seine Lebenspartnerin einer geregelten Arbeit nachgeht. „Ich erledige den Haushalt und das Künstlerische, und sie ist meine Mäzenin, die für zwei arbeitet”, erklärt er lächelnd, bevor er die Herstellung seiner Miniaturen beschreibt: „Im Falle der Würste schaue ich in Kochbücher oder Feinschmeckerzeitschriften bei der Suche nach schönen Wurstabbildungen. Oder ich gehe in eine Metzgerei und sehe mir an, was ich überhaupt machen will.” Dann kauft der leidenschaftliche Wurstesser ein, wobei er immer auf der Suche nach Waren mit Gewichten, schönen Papieren, Netzen oder Schnüren ist. Nachdem er sich die Wurst gut angeschaut hat, macht er Skizzen und wählt die richtigen Farben aus, bevor es ans Modellieren geht. Die Mischung der Modelliermasse hat er im Laufe der Zeit optimiert, das exakte Verhältnis der Zutaten möchte er nicht verraten, schließlich steckt lange Entwicklungsarbeit und eine Art Berufsgeheimnis dahinter. Die Masse muss gut abtrocknen, danach kommen mehrere dünne Pinsel und Farbe zum Zuge. Zuerst werden die dunkleren Töne aufgetragen, dann die helleren zum Schluss erfolgt die Feinarbeit bis zu den Fettringen der Salami und den Banderolen. Falten und Ringe arbeitet er mit einem Miniskalpell ein. Anschließend wird konserviert, lackiert und abermals abgetrocknet. Danach klebt Giam die Schnüre auf und fertigt winzigkleine Gewichte aus den Originalen, die an der echten Wurst hingen. Auch bis zum richtigen Kleber hat er lange suchen und ausprobieren müssen.

Neben allen erdenklichen Wurstsorten von der Mortadella mit Pistazien oder Pfeffer über die original italienische Salami mit Banderole und Schnur bis zur Blutwurst und zu Wienern fertigt der Frankfurter auch Schinken oder Kotelettstränge, aus denen die Knochen sogar herausragen. Dazu verwendet er kleine Knochen von Wachteln, die er zuvor schön gekocht hat, die genüsslich gegessen, minuziös abgeknabbert, sorgsam gesäubert, lange getrocknet und gut konserviert wurden. 

Nun zurück zum jetzigen Stand der Geschichte und seinem Ende. Sehr viele Jahre sind seit dem damaligen Treffen mit dem Blinden vergangen, eine lange Zeit, fast 25 Jahren. Sporadisch meldet er sich, wenn er etwas besonders Ausgefallenes und Kompliziertes haben möchte. Und jedes Mal, wenn Giam für ihn etwas neue kreiert, macht er immer ein paar zusätzliche Stücke für sich selber. Das Ganze wird dann bestimmt so weiter gehen, bis einer von Beiden sterben wird. Genau so wie in vielen traurigen aber doch schönen alten Geschichten, Fabeln oder Märchen.

 

Danke an Abe für die korrektur.


 

wenn sie in galerie >>Miniaturen>>gehen, werden sie viele arbeiten von mir sehen.

P.S.:

Bye, ciao, tschüß.


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