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washed paintings   PDF  Drucken 

 

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                                     *********

  DAS GEMÄLDE STEHT ÜBER DEM KÜNSTLER.

  (GIAMPIERI 1977)

                                     **********

 

          WENN DU SCHAUST UND NICHT SIEHST;

                    SCHLIESSE DIE AUGEN

               UND DU WIRST ALLES SEHEN.

 (giampieri 1988)

                                 **********************

 

 

                                        GEDANKEN


Diese meine Ausdrucksform mit der Bezeichnung " verwaschene Kunst" oder

"Washed Painting", eine Selbstbezeichnung übrigens, die noch nicht endgültig ist. Suche immer noch nach eine aussagekräftigeres bezeichnung.

Dabei handelt es sich um etwas Grosses und Wichtiges.

Prinzipiell um die "Widersprüchlichkeit " in sich,  in all seiner Form und

Darstellung;

sowohl was sich auf der materiellen  als auch auf die geistigen Ebene

abspielt und anbelangt. Das ganze außerdem in all ihren Verknüpfung,

Gedanken und Darstellungsformen.

Zentraler Punkt sind der Protest und die Mitteilung, die aber auch

Bereitschaft und Hilfestellung beinhalten. Es handelt sich auch um Werte wie

Vernichtung und Wiederbelebung, Leben und Tod, Hoffnung und Verzweiflung,

Verschwendung und Wiederbenutzung bis hin zu dem Guten und dem Bösen.

Ich versuche damit, alle Facetten des möglichen Denkens zu vereinigen,

insbesondere das Handeln und Geistige von uns Menschen zu analysieren. Alle

Werte sind haltlos und verschwommen, wenn wir nicht zu jeder Aussage mit dem

vorhandenen Gegenteil widersprechen und auf der geistigen und

unterbewussten Ebene nicht bereit sind, die intuitiven und inkubativen

Vorgänge zu verstehen.

Viel Protest und Kritik will ich damit auch ausdrücken, aber letztendlich

genauso viel Hoffnung und Gutes übermitteln und verbreiten.

                                           ERSTER SCHRITT

Alles beginnt ganz einfach mit der Erstellung eines gleich welches Bild auf

schönes Papier, das  Habitat des Menschen. Viel Arbeit, schöne Bemalung mit
guten Pinseln und schönen Farben, alles augenscheinlich Schöne und
Erstrebenswerte im Leben. Materialismus gepaart mit Gier ist genau so gut
vorhanden wie Menschlichkeit und Verschleifung, Fantasie und Liebe. Nüchtern
betrachtet, mit etwas Papier und Farbe entsteht ein Bild. Nach einer
gewissen Zeit und Arbeit wäre das für viele Künstler, also letztendlich
auch für den normalen Betrachter und Denkenden, das Werk, das Ziel, der
Wunsch, das Gemälde fertig. Der nicht Denkende und Weiterdenkende wäre
damit zufrieden und dies bestimmt bis zu seinem letzten Atemzug und
endlichen Tod.

                                     
ZWEITER SCHRITT

Nein, nein, nicht in diesem Fall, nicht so bei mir bei der Arbeit an diesem
Gedankenwerk. Genau an diesem kulminanten Punkt der angeblichen
Fertigstellung dieser Arbeit mit all seinen Gefühle der Zufriedenheit und
Freude, eine Darstellung fertiggebracht zu haben, genau jetzt fängt die
richtige Handlung an, eine eigene Dynamik entwickelt sich und das Dagewesene
verliert in diesem Kontext jegliche ihr zustehende Wertstellung.
Ich vernichte das Bild symbolisch,  indem ich es zerknäule zu einer so
klein wie möglichen Kugel: Sie symbolisiert jetzt die Erde, mein Atelier-zimmer
ist die  Atmosphäre, meine Wohnung ist der Raum bis zun Mond. Rödelheim ist
das Sonnensystem, Frankfurt die Milchstraße, Deutschland die
Andromeda-Galaxie, Europa der lokale Superhaufen und die Welt das
Universum.
Somit sind wir wieder bei den Anfängen angelangt und das ist als das
"Nichts" zu bewerten, verglichen mit der „Leere", die in uns ist, wenn wir
nicht  imstande und fähig sind  zum Denken .
Ist es nicht der Mensch, der immer Kriege führt und geneigt ist, alles
Mögliche kaputt zu machen und zu vernichten? Am "Ende" dieser
Gedankenlosigkeit baut er mit viel Kraft und Mühe alles wieder auf und ist
dabei auch noch stolz.
Was für ein Widerspruch und Anmaßung. Wie armselig sind diejenigen, die sich
so verhalten und wie dumm sind sie bei ihren Versuchen, den Andersdenkenden
zu überzeugen, das "Richtige" getan zu haben.

                                       
  DRITTER SCHRITT

Das Bild, in Form einer  Kugel, so wie die Erde, landet demonstrativ und mit
großer Geste, pathetischen Gesichtzügen und kraftvoll in Mülleimer. Im Dreck
landet sie, zwischen Kaffeesatz, Verpackungen, Essensresten und allen
möglichen anderen Abfällen.
Sie bleibt unter Aufsicht darin bis zur vollendeten Vollstopfung der
Mülltüte.
Wir sollen damit unsere falschen Prinzipien über Bord werfen wie eine
Mülltüte in eine Mülltonne. Erst dann haben wir diesen Mindestgrad an
Bereitschaft erreicht, um über uns und unser Handeln nachzudenken und zu
bewerten. Andersrum haben wir uns bis diesem Zeitpunkt absolut keine
Verdienste erarbeitet.

                                         
VIERTER SCHRITT

Ich hole dann meine Kügelchen, die Erde, aus der Mülleimer,  wie soll das
weiter gehen? Wen und was soll ich eigentlich retten?
Das schöne Bild hat sich jetzt  in eine schmutzige Kugel verwandelt, die
fast keine mehr ist. Ich  hole sie mir vorsichtig und packe sie langsam und
behutsam wieder auseinander.
Wie kaputt sie ist, alle Kraft ist entschwunden, jeden Halt und jede
Festigkeit hat sie verloren, sie ist etwas brüchig und die Farbe hat ihren
Glanz verloren.
Langsam, langsam versuche ich ihr wieder ihre Formen zurückzugeben,
vorsichtig zu drücken und sie zu glättern. Stückchen für Stückchen, Teile
gehen dabei kaputt, Papier reißt auseinander. Ihre Existenz steht auf dem
Spiel, das Leben ist in einem Erlöschungszustand, die Materie zerfällt.
Das gewesene schöne Bild ist nicht mehr das gleiche, bin ich verrückt, bin
ich nicht mehr normal, haben meine Sinne versagt, was habe ich denn bloß
gemacht, wie schön war die Landschaft gewesen, der Mensch, die Natur und das
Leben.
Warum habe ich das zugelassen?
Das Unbegreifliche zu verstehen fällt dann schwer, wenn überhaupt.
Und was ist mit der Unmöglichkeit, sich zu dies einzugestehen? Na, was ist
damit?
Mut, Verstand und Wille sind vonnöten, um weiterzumachen. Mit viel Zeit und
Mühe habe ich es dann einigermaßen geschafft, das ganze Blatt  wieder zu
entwirren und ein verletztes, verlochtes und welliges buntes Papier liegt
wieder vor mir.
Wie ein arbeitender Handwerker, wie ein Arzt, ein Chirurg im Operationssaal
fange ich an, mit Klebstoff abgebrochene Papierfetzen wieder
zusammenzufügen, alles zu reparieren.
Die Zeit der Gedanken, der Selbstvorwürfe und des Nachdenken beginnt und das
Bild erholt sich, nimmt wieder Formen und Gestalt an. Es ist wieder
ansehnlicher geworden. Man könnte jetzt denken, es geschafft zu haben,
alles wieder einigermaßen in Ordnung gebracht zu haben. Kinder spielen nicht
mehr auf Trümmern, die Pflanzen blühen wieder und das Kaputte und Böse ist
nicht mehr so sichtbar. Nein,  so einfach ist es nicht. Das gaukeln wir uns
nur vor, neu geschaffene Tatsachen sollen uns nur darüber hinweg täuschen
und uns an der  Möglichkeit des  Denkens hindern.
Das Wegschauen ist nicht gleichzusetzen mit dem Willen, alles  vergessen zu
wollen.

                                  
   FÜNFTER SCHRITT

Es war eine trügerische und zu leichte Rettung, es war niemals ausreichend,
um alles wieder gutzumachen, was wir zerstört haben. Das Böse in uns und das
uns Umkreisende ist viel stärker und mächtiger als wir bis jetzt geglaubt
haben oder glauben wollten. Wie schön es wäre, wenn  alles so einfach wäre,
wie viele glauben wollen.
Das mit so viele Mühe wiederhergestellte und wiedergemalte Blatt wird wieder absichtlich
zerknäult und landet jetzt bei Regen unter freiem Himmel oder im Waschbecken
unter Wasser,  beim Kochen im warme Nudelwasser. Warum soll ich
verschweigen, dass es auch in der Toilette für eine Zeitlang landen kann.
Der Tod ist auch nicht schön und alle Formen der menschlichen Vernichtung,
Bedrohung und Bösartigkeit, sind auch nicht Fantasie und niederträchtig
genug.
Meinem Werk geht es  jetzt sehr schlecht, es saugt dabei das Wasser in sich,
wird weich und brüchig. Die Farben verlaufen total, zerfallen in ihre
Bestandteile und verlieren sich.
Alles  fängt an, auseinander zu gehen, riskiert die totale  Auflösung, jeder
Zusammenhalt bricht in sich zusammen. Das ist die Phase des schlimmen
Zustandes der bedingungslosen Vernichtung und des Zerfalls. Das Denken ist
bereits tot, jetzt stirbt bald auch der Geist.
Dunkelheit übernimmt den Raum, versucht bis in den letzten Winkel zu
durchringen, um alles in die ewige Finsternis zu holen.




                                   
SECHSTER SCHRITT

Bevor  sich definitiv alles aufgelöst hat , hebe ich, was vom Blatt
übriggeblieben ist, auf.
Bewerten wir die jetzt entstandenen scheinheiligen Kompromisse als eine Art
von wiedergewonnener Fähigkeit des Denkens und der Vernunft ?
Dass etwas geschehen muss, kapieren wir, akzeptieren endlich das
"Unmögliche".
Das Gemalte schreit nach Wiederherstellung, die Farben wollen wiederbelebt
werden.
Voller Hoffnung, dass nicht gerade jetzt das Handy klingelt, in diesem
Kontext steht dies als der Tod jeglicher Kommunikationsformen, die der Geist
und die Seele erreichen wollen und können. Wer jetzt antworten würde, würde
endgültig seine Seele an den Teufel verkaufen. Also, ich lasse mich von
nichts ablenken, weder durch Hunger noch durch Durst.
Keine  Müdigkeit, kein Wunsch, keine fleischliche Begierde, nichts darf uns
in dieser Phase ablenken. Was vom Blatt übrig geblieben ist, liegt vor
meinen Augen und ich fange an, die Konturen wieder zu zeichnen, die Farbe
wieder harmonisch zu verteilen, langsam gewinnt alles an Form. Hoffentlich
klopft jetzt auch niemand an die Tür.
Was war, entstehet wieder vom neuen, wird neu komponiert, wird neu
erschaffen,  große Risse werden jetzt auch mit neuem Papier und kleber von hinten
wiedervereinigt. Die Fläche saugt die neue Farbe wieder in sich, alles fügt sich
vom Neuem langsam wieder zusammen zu augenscheinlich neuerem Glanz. Auch
wenn eine  neue Ansehnlichkeit entsteht, die Beschädigungen am Werk, am Papier
werden für immer sichtbar bleiben. Im Stillen werden sie für immer eine Mahnung
für jeder neuen Betrachter sein, dass etwas vorher passiert ist, um solch
ein finales Aussehen zu haben. Da bekanntlich das Werk sich nicht selbst
ausführlich in jedem Detail und in jeder Bedeutung erklären kann, liegt es
am Betrachter selber, sich die Mühe zu machen, das Hintergründige zu suchen
und zu entdecken, es sich das notfalls erklären lassen, um am Ende endlich
zu dem Sinn des Ganzen zu gelangen . Nur so wird er am Ende alles
verstehen, alles aus dem richtigen Augenwinkel betrachten und beurteilen, um
zum Schluss etwas dabei lernen zu können. Die Botschaft muss er dann an
andere weitergeben, innere Zufriedenheit stellt sich dann von selbst ein.


                                           
EPILOG

Alles, was über das Werk zu sagen war, ist somit vollbracht.
Endlich habe ich geschaffen, was ich gewollt und gesucht habe .
Ich unterschreibe die Kapitulation und gleichzeitig signiere ich den
Neubeginn.

GIAM 

 

 

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